Viele Leute wissen überhaupt nicht, dass es im Eichsfeld die Möglichkeit zum Segeln gibt“, sagt Birgit Henke. Dabei sind die Windbedingungen wegen des nur leicht hügeligen Ackerlandes um den Seeburger See und der Nähe zur norddeutschen Tiefebene günstig. Und was die Landschaft angeht, ist diese sowieso unglaublich malerisch. Henke ist Jugendwartin und trainiert gleichzeitig auch den Nachwuchs der Segler-Vereinigung Seeburger See (SVSS).


Als größter Natursee Südostniedersachsens steht der Seeburger See seit 1976 unter Naturschutz – mit einigen Ausnahmeregelungen, beispielsweise für die Nutzung durch die Segler. Woran sich diese halten müssen: Gesegelt werden darf vom 1. Mai bis 15. Oktober in einem abgegrenzten Bereich. „Wenn die Zugvögel durch sind, dann können wir aufs Wasser“, sagt Sportwart Volker Hasse. Mit den Jugendlichen des Vereins geht es deshalb bereits im April erst einmal in ein Trainingslager. Dazu reisten die Eichsfelder dieses Jahr an den Gardasee nach Italien. Gesegelt wurde dort ausschließlich mit Motorboot-Betreuung, da sich der Wind – anders als am Seeburger See – sehr schnell verändern kann. Mit dem Motorboot fährt Henke auch während des wöchentlichen Trainings hinaus, um das Geschehen aus der Nähe beobachten zu können.

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Passende Schuhe, ein Trocken- oder Neoprenanzug und eine Schwimmweste angezogen, dann kann es hinaus aufs Wasser gehen. Jollen stellt der Verein zur Verfügung. Dies sind kleine Boote, die in der Mitte eine versenkbare Platte, das Schwert, haben. Es verhindert, dass der Wind das Boot zur Seite wegtreibt. Am Seeburger See ist das Segeln sehr sicher. „Geraten die Kinder einmal in das Schilf, dann können sie ohne Probleme aussteigen“, erklärt Birgit Henke. Zudem gibt es keine gefährlichen Strömungen. Mit dem Segeln kann im Alter von acht Jahren begonnen werden. Mitzubringen sind eine gewisse körperliche Kraft, und natürlich sollten Neueinsteiger sicher schwimmen können. Eine Schwimmweste sei aber selbst bei Erwachsenen obligatorisch.

Auswahl Lucia Hasse & Annalena Heine

Über eine selbstgebaute Slipanlage am Steg des Vereinsgeländes in Bernshausen werden die Boote nach den Vorbereitungen ins Wasser gelassen. Vorsicht ist geboten, denn schon so mancher ist ausgerutscht und ins Wasser gefallen. „Es kommt immer auf den Wind an. Manchmal kann man das Segel auch schon setzen, bevor es ins Wasser geht“, erklärt Lucia Hasse. Bei routinierten Seglern ist das Boot in 15 Minuten auf dem Wasser. Vor sechs Jahren hat Lucia gemeinsam mit ihrem Vater Volker begonnen, zu segeln. Gerade überlegt sich die Jugendliche, ob es sich lohnt, das Boot fertigzumachen, denn es ist es ziemlich windstill. Die Bernshäuserin war eines von vier Nachwuchstalenten, die kürzlich reichlich Erfahrung bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft der 420er in Ribnitz Damgarten sammeln durften. „Ich denke, wir sollten es versuchen“, sagt sie zu Annalena Heine. 15 Minuten dauert es, dann sitzen die beiden in der Jolle.


Mehr Infos zur Segler-Vereinigung Seeburger See gibt es unter: www.svss.de

Text: Kristin Kunze / Fotos: Iris Blank