Schon früh – als Marie noch auf Cola-Kisten stand, um über den Tisch gucken zu können – hat ihr Vater Michael erkannt, dass sie das nötige Augenmaß hat. Wenn Marie Kanngießer, die die 7. Klasse der IGS der St.-Ursula-Schule Duderstadt besucht, ihren Freunden von ihrem Hobby erzählt, dann löst das meist großes Interesse aus. Zwei Freundinnen hat sie sogar schon dafür begeistern können, auch zum Queue zu greifen.


Seit zwei Jahren ist die Duderstädterin beim Billardclub Osterode aktiv, dort wo auch ihr Vater spielt. Die Vereinsstätte befindet sich, anders als es der Name vermuten lässt, nicht etwa in Osterode, sondern im benachbarten Herzberg. Dort hat der Verein vor zwei Jahren einen Raum in Eigenregie komplett renoviert und ist umgezogen. Platz für vier Billardtische haben die rund 70 Club-Mitglieder, die auch aus dem Unter- und Obereichsfeld kommen.

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Marie übt im Training zurzeit den Jumpshot. Dabei versucht sie, eine Billardkugel zu treffen, die von einer anderen verdeckt wird. Das heißt, die weiße Kugel, die sie mit dem Queue steil anvisiert und gleich anspielen wird, muss die direkt davor liegende Kugel überspringen, um die dahinter liegende zu treffen und diese im besten Fall dann auch noch versenken. So vermeidet man nämlich ein Foul und darf weiterspielen, wenn die richtige Kugel in die Tasche fällt. Das hört sich nicht einfach an. „Ist es auch nicht“, sagt Marie.


Damit das Tischtuch – falls die 13-Jährige abrutscht – keine Löcher bekommt, wird im Training ein kleines Stückchen Stoff unter die weiße Kugel mit den kleinen roten Punkten gelegt. Rote Punkte auf der weißen Kugel? Die Grundidee ist, dass so die Drehungen der Kugel besser sichtbar gemacht werden – zum einen für Trainingszwecke, zum anderen für die Zuschauer, die den professionellen Billard-Sport vermehrt mit Interesse am Fernsehbildschirm verfolgen. Im sogenannten TV-Kugelsatz sind wegen der besseren Erkennbarkeit im Fernsehen zudem die lilafarbene Kugel gegen eine pinke und die dunkelrote Kugel gegen eine braune ausgetauscht worden.

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In ihrem Köcher, so wird die Tasche der Billardspieler genannt, hat Marie zwei Queues, eines zum Anstoßen und eines zum Spielen. „Das Spielqueue ist nicht ganz so hart“, erklärt sie. Dazu einen Kreidewürfel, mit dem die Lederspitze des Queues vor dem Spielzug präpariert wird, um eine bessere Haftung zwischen Spielstock und Kugel zu erzielen.


Den Traum vom eigenen Billard-Tisch haben sich Vater und Tochter vor Kurzem erfüllt. Aus Platzgründen steht er aber nicht im heimischen Keller, sondern bei den Großeltern in Gerblingerode, wo extra eine Wand herausgerissen wurde, um optimale Bedingungen zu schaffen. Dort hat Marie die Möglichkeit, sich noch intensiver auf die Deutsche Meisterschaft vorzubereiten, die um Ostern herum eine Woche lang in Bad Wildungen ausgetragen wird. Sie ist in der Altersklasse der B-Juniorinnen beim 8-Ball, 9-Ball, 10-Ball und in der Disziplin 14/1 am Start. Druck allerdings verspürt die Eichsfelderin absolut keinen, was sicherlich auch mit der Gelassenheit ihrer Eltern zu tun hat, denn Michael und Sandra Kanngießer legen großen Wert darauf, dass ihre Tochter aus eigenen Stücken zum Training geht und an Wettbewerben teilnehmen möchte.

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Text: Kristin Kunze / Fotos: Iris Blank

Infos: portal.billardarea.de


Billardclub Osterode 1993 e.V.

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