„Ich möchte den Jugendlichen Mut machen, dass sie was bewegen können. Die meisten sind ein bisschen schüchtern und kommen nicht so richtig aus sich raus, aber das kann man ruhig. Es gibt keine dummen Ideen, und die Kids können wirklich was verändern“, sagt Ina. Sie ist eine, die es wissen muss. Die Schülerin der BBS Duderstadt hat bereits vor zwei Jahren an der Jugendzukunftskonferenz in den Räumen der Duderstädter Firma Ottobock teilgenommen. Seitdem ist die 16-Jährige auf den Geschmack gekommen. Mit der Gesellschaft Duderstadt 2020, die die Zukunftskonferenz organisiert, hat sie bereits zweimal den Weihnachtstreff in Duderstadt für Kinder attraktiver gestaltet. Jetzt ist sie neben Mitarbeitern der Stadt Duderstadt, der Aufsuchenden Jugendarbeit, des Emmaus-Jugendzentrums und anderer Institutionen mit Abstand die jüngste Teamleiterin und diskutiert mit den Schülern über Ideen, wie sich eine lebenswerte Zukunft im Eichsfeld aus der Perspektive junger Leute gestalten lässt.

dritte_jugendzukunftskonferenz

Rund 100 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren aus den verschiedenen Duderstädter und Gieboldehäuser Schulzweigen sind zu dem Workshop gekommen – doppelt so viele wie beim letzten Mal. Die Organisatoren freut’s: „Super, dass ihr den Mut gefunden habt, hierher zu kommen und eure Ideen einzubringen“, begrüßt Susanne Möhl, Duderstadt-2020-Projektmanagarin, die Teilnehmer. „Ihr seid die Darsteller“, ergänzt Ottobock-Chef Prof. Hans Georg Näder. „Ob euer Leben ein Hollywood-Movie, eine Telenovela oder eine langweilige Veranstaltung im Abendprogramm wird, liegt allein in euren Händen.“ Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte lädt die Jugendlichen sogar zu einer eigenen Diskussionsrunde ein, in der über die Ergebnisse der Konferenz beraten werden können.

Mit bunten Filzern, Heftzwecken, Flipchartpapier und viel Motivation ausgerüstet, geht es für die Jugendlichen dann in die sechs von Teamleitern moderierten Kleingruppen. Dort sollen zunächst alle möglichen positiven und negativen Gedanken zum Eichsfeld festgehalten werden.

meinungen_jugendzukunftskonferenz

Angebote wie das Jugendfreizeitheim in Duderstadt, Freibad, Kino, Schützen- und Fußballvereine oder die Freiwilligen Feuerwehren auf den Dörfern kommen bei den Schülern gut an. Als negativ werden überwiegend Dinge eingestuft, die fehlen: größere Fast-Food- und Modeketten, bessere Bus- und Internetverbindungen oder einen Hotspot in der Innenstadt wünschen sich viele der Workshopper. Aber auch relativ pragmatische Dinge, wie „den alten Teppich im Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt wechseln“, werden genannt. Jan-Luca aus Mingerode (13, St. Ursula Schule) findet es schade, dass der Jugendraum im Dorf immer von Älteren besetzt sei. „Wenn ich mit meinen Freunden da vorbeifahre, dann hauen wir meistens wieder ab.“ Yannick aus Seeburg findet die schlechte Internetverbindung auf den Dörfern blöd. Allerdings sei es für den 14-jährigen Heinz-Sielmann-Realschüler eine gute Alternative, am Seeburger See abzuhängen – zumindest im Sommer.

diskussion_susanne_moehl

Acht Projekte sind am Ende aus dem kollektiven Brainstorming destilliert worden: Mottopartys und Nachtschwimmen im Duderstädter Schwimmbad, ein Skate Park, freies WLAN in der Marktstraße, die Talwiese als Sportplatz, Ü16-Partys, Städtefahrten von Jugendlichen für Jugendliche, ein bunteres Duderstadt mit bemalten Stromkästen und Bushaltestellen sowie ein Café, in dem auch Jugendliche selbst arbeiten können – „Emma und Jufi sind für Jugendliche in unserem Alter nichts mehr“, so der Tenor vieler Schüler. Im Laufe des Jahres sollen die Projekte nun weiterentwickelt werden. Visionen können dann vielleicht schon bald zur Realität werden.

Text: Anna Kleimann / Fotos: Iris Blank