Zwei schmale Treppen geht es herauf, zwischendurch einmal links abbiegen und da – hinter einer schweren Tür aus Eisen – liegt er, der Schatz von Bernd Ehbrecht. Auf dem lichtdurchfluteten Dachboden des Fabrikgebäudes in der Straße der neun Quellen in Worbis schlummert in zirka hundert Eichenfässern eine goldene Flüssigkeit. Was da in den hölzernen Kokons brütet, wird mit jeder Minute wertvoller. Im Jahr 2016 wird die Zeit für die Fässer gekommen sein, sich von ihrem hochprozentigen Inhalt zu trennen: Das zum edlen Tropfen gereifte Destillat wird die Ruhe und Einsamkeit der Dachkammer verlassen und als „The Nine Springs Single Malt Whisky“ in Flaschen abgefüllt werden, um in so mancher lebhaften Runde verkostet zu werden.

In dieser Brennblase wird der Whisky gebrannt

In dieser Brennblase wird der Whisky gebrannt

Uisge beatha, wie der ursprüngliche Name des „Lebenswassers“ in der Sprache seines Heimatlandes Schottland lautet, ist Teil des ganz persönlichen Lebenstraumes des Neunspringer-Geschäftsführers Ehbrecht – einer eigenen Spirituosenmanufaktur. Eigentlich ist Ehbrecht gelernter Banker. Acht Jahre war er Prokurist bei der Volksbank in Duderstadt, zehn Jahre im Vorstand zweier anderer Volksbanken. Zahlen und Papier, Schlips und Jackett.


Seit 2006 ist der 59-Jährige Geschäftsführer der Neunspringer Brauerei in Worbis. 1993 wurde die Brauerei durch die Treuhandanstalt privatisiert, Ehbrecht stieg als einer von vier Investoren mit ein. Neben ihm waren unter anderem der Urenkel des Firmengründers Thilo Wendt aus Duderstadt sowie die Brauer Kurth Böttcher und Michael Laxy mit von der Partie. Nach sechs Jahren übertrug der erste Gesellschafter aus Krankheitsgründen seine Anteile an ihn, weitere sieben Jahre später schieden die beiden anderen aus und so habe er plötzlich „alles auf einmal an der Backe gehabt“, sagt Ehbrecht mit einem Zwinkern. Der Duderstädter habe das Investment nicht den Bach runtergehen lassen wollen und daher die Geschäftsführung übernommen. Bereut habe er seine Entscheidung nie: „Unternehmer sein, heißt frei sein“, sagt der Duderstädter.

Maischbottich

Maischbottich

Rund 60 bis 80 Prozent des Whiskygeschmacks hängen von der Beschaffenheit der Fässer und vom Reifeprozess ab. Vier verschiedene Fasssorten werden für die Whiskyproduktion verwendet (Grundlage ist jeweils „atmungsaktives“ Eichenholz): neue, noch nicht benutzte Fässer aus amerikanischer Weißeiche, Fässer, in denen zuvor Sherry aus Spanien lagerte, Fässer, an die Rotwein aus Südfrankreich sein Aroma abgegeben hat, und Fässer, in denen Bourbon-Whisky gereift ist. Jede dieser Fassarten verleiht dem Whisky eine eigene Farbe, einen eigenen Geruch und Geschmack. „Ganz wichtig ist auch: Fass ist nicht gleich Fass. Ein ehemaliges Bourbonfass kann ganz hervorragende Aromen abgeben, es kann aber auch grottenschlecht sein“, erklärt Ehbrecht. Fassmanagement sei daher absolute Chefsache.

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Eine andere Spezialität von Ehbrecht sind seine Obstbrände

Im Unterschied zu den gängigen schottischen Whiskys, die meistens zwischen zehn und 15 Jahren Lagerzeit hinter sich haben, wird die erste Charge des Eichsfelder Whiskys nur drei Jahre lagern. „Weil sich das Destillat bei Hitze im Sommer ausdehnt und bei Kälte im Winter zusammenzieht, arbeitet der Whisky in unseren Breitengeraden intensiver, so dass eine engere und schnellere Verbindung aus Destillat und Holz entsteht“, erklärt Ehbrecht. Das Endprodukt – den „Nine Springs Single Malt“ – beschreibt der Brauereichef als „samtig-fruchtig mit deutlicher Vanillenote“. 2016 werden zirka 13.000 Liter Whisky zur Verfügung stehen. Von dieser angestrebten Menge wird aber nur ein Teil verkauft, der Rest wird weiter lagern, um noch ältere Produkte mit noch ausgereifteren Aromen zu erhalten.

Text: Anna Kleimann | Fotos: Iris Blank

 

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