Über den Trend der Mittelaltermärkte, die mittlerweile von vielen tausend Menschen besucht werden, freut sich Josef Johanning sehr. Er übt aber auch ein wenig Kritik: Jeder versuche mit eigenen Ständen mitzumachen, was dann letztlich dort geboten werde, sei aber manchmal ein wenig halbherzig. Sein Motto lautet: „Wenn schon, dann richtig“. So hat es der Gerblingeröder, der regelmäßig in seine Rolle als „Jos vom Eichsfeld“ schlüpft, auch mit seinem Armbrust-Stand gehalten. In dem kann ganz stilecht auf Fellen übernachtet werden, an Haken hängen Wasserflaschen aus Leder, selbst genäht und mit Wachs gehärtet, und die Wände sehen täuschend echt nach Sandstein aus. Nicht zuletzt kann dort natürlich das Armbrustschießen mit den Schussgeräten, die Jos selbst nach historischem Vorbild baut, getestet werden.

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Der Eichsfelder erinnert sich an eine Begegnung mit einer 80-Jährigen, die das Armbrustschießen testen wollte. Sie bat ihn, die Armbrust für sie zu spannen, da ihr die Kraft dafür fehlte. Danach setzte sie an und zielte. Sie hatte keine Mühe, viermal ins Goldene zu treffen. Sie zerlegte sogar einen Pfeil mit einem anderen, den sie exakt an dieselbe Stelle schoss. „Früher in Schlesien hatten wir auch schon eine Armbrust“, sagte sie umringt von einer staunenden Menschenmenge. Ab und zu hat Jos auch prominente Schützen an seinem Schießstand – ein Wildecker-Herzbube kommt ihm da zum Beispiel in den Sinn. Jos wurde als Armbrust-Experte auch schon für Fernsehproduktionen engagiert.


Zwar muss man beim Armbrustschießen bei Weitem nicht eine solche Kraft wie beim Bogenschießen aufwenden, da man die Waffe dank einer Rückhaltevorrichtung für die Sehne ohne Anstrengung gespannt halten und so lange und genau zielen kann, doch schon beim zweiten und dritten Schuss, so zeigt der Selbsttest, halten Hände und Arme des Laien-Schützen die Armbrust nicht mehr so ruhig. Auch der Geheimtipp von Jos, das Auge immer an die gleiche Stelle zu legen, fällt zunächst nicht so leicht. Dennoch landet ein Bolzen, so werden die Pfeile der Armbrust genannt, zumindest einmal ganz nah am Goldenen. Wer eine Flasche Heimatliebe-Bier absahnen möchte, muss dreimal in die Mitte treffen. Für versierte Armbrustschützen kein Problem, versichert Jos: „Nach zwei Tagen üben trifft man alles.“

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Der Mittelalter-Fan lässt an seinem Stand aber nicht nur schießen, sondern zeigt auch, wie er beim Armbrust-Bau vorgeht und erzählt aus der Geschichte: „Früher haben Armbrustschützen scharfe Krallen in der Schlacht auf den Boden geworfen, damit die Pferde des Feindes hineintreten und die Armbrustschützen nicht überritten werden konnten. Es gibt verschiedene Bolzenspitzen: Eine durchschlägt Metall, eine andere ist besser geeignet für das Schießen auf Tiere und wieder eine andere soll die Knochen brechen. Oft reichte früher auch schon eine Fleischwunde beim Feind, denn alle Bolzen wurden vor dem Kampf in Fäkalien getaucht, so dass es bei den Getroffenen zu Wundbrand kam, der tödlich endete. Ein Kaninchen wurde mit einem speziellen Bolzen nur angeschlagen, was dem Tier einen solchen Schock versetzte, dass es daran starb.“

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Diese und viele andere Geschichten erzählt Jos vom Eichsfeld bestimmt auch, wenn er seinen Armbrust-Stand am ersten Advent (29./30. November) beim mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auf der Burg Hanstein in Bornhagen aufbaut.

Text: Kristin Kunze / Fotos: Iris Blank

Josef Johanning – Jos vom Eichsfeld

www.armbruststand.de oder auf Youtube und Facebook nach „Jos vom Eichsfeld“ suchen.

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