Hans-Joachim Bannier kennt sie alle – holländische, deutsche, französische und englische Apfelsorten. Der Bielefelder Obst-Experte gilt als Koryphäe, von denen es in Deutschland nur noch eine Handvoll gibt. Schon öfter stand er auch vor Fernsehkameras. An diesem Wochenende, 3. und 4. Oktober, ist er in Duderstadt auf dem 20. Apfel- und Birnenmarkt vor Ort. Dort können sich Interessierte die fachkundigen Tipps des Pomologen über Obstsorten für Selbstversorger, ökologisch orientierten Obstanbau, alte Sorten und Obstbaumbeschnitt abholen.


Begründet wurde die Wissenschaft des Obstes mit dem ersten in Europa bekannten systematischen Werk der Obstkunde, der Pomologia (1760) von Johann Hermann Knoop, dem einst äußerst erfolgreichen Gartendirektor der holländischen Prinzessin von Oranien: „Weil aber diese Früchte, die Äpfel und Birnen meine ich, welche einander den Vorzug streitig machen, sehr verschiedener Arten sind, indem es sowohl schlechte als auch vortreffliche Sorten giebt: so ist es keineswegs gleichgültig, was für Sorten man in seinem Garten pflanze“, heißt es da. Hans-Joachim Bannier würde diesen Satz wahrscheinlich mit einem Ausrufezeichen versehen.

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Am Rande des Teuteburger Waldes pflegt der Nordrhein-Westfale seit 1995 sein ganz eigenes privates Obst-Arboretum Olderdissen. Über 500 Obstsorten, davon etwa 350 Apfelsorten, hat er auf einer Fläche von etwa zwei Hektar gepflanzt – ungespritzt versteht sich. So kann der 57-Jährige besser beobachten, bei welchen Sorten Obstkrankheiten auftreten und welche sich auch unter schwierigen Witterungsverhältnissen als resistent erweisen. Bannier erklärt gerne, warum gerade die Supermarktapfelsorten dafür weitgehend ungeeignet sind. In der Apfelzucht ist generell einiges schiefgelaufen, meint der Pomologe. Aus nur ein paar wenigen Sorten sei die gesamte Bandbreite der heute modernen Sorten geschaffen worden.


„Schaut man sich die züchterische Herkunft dieser Sorten genauer an, wird deutlich, dass nahezu sämtliche Züchtungssorten der letzten 90 Jahre weltweit von den sechs ‚Stammsorten’ Golden Delicious, Cox Orange, Jonathan, McIntosh, Red Delicious und James Grieve abstammen.“Allein die Sorte Golden Delicious sei – mit 347 Einkreuzungen in 255 der 500 Apfelsorten – an über der Hälfte der weltweiten Apfel-Neuzüchtungen beteiligt. Da ist es auch kein Wunder, wenn irgendwie alle Äpfel aus der Obstabteilung gleich zu schmecken scheinen oder? Wer sich auf dem Markt in Duderstadt Äpfel bestimmen lassen möchte, sollte mehrere Exemplare mitbringen, am besten mit Stiel, einigen Blättern und Fotos des Baumes.

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Leider ist durch die Verengung der genetischen Bandbreite auch die Anfälligkeit für Krankheiten und Schäden wie Schorf oder Mehltau mit vererbt worden, so der Obstfreund. Sofern man im Hausgarten ohne Gift auskommen wolle, müsse man ganz andere Sorten wählen als die, die man in den Läden angeboten bekomme. Bannier, Netzwerkpartner der Deutschen Genbank Obst, arbeitet daher selbst fleißig an der Züchtung neuer und robusterer Sorten. Der Pomologe macht aber auch deutlich, dass eine Generalisierung à la „die“ alten Apfelsorten sind robuster als „die“ neuen Sorten, nicht zulässig sei. Gerade populäre alte Sorten, wie Goldparmäne, Landsberger Renette oder Berlepsch, seien eher empfindlich, vitale alte Sorten, wie Seestermüher Zitronenapfel, Gelber Münsterländer oder Edelborsdorfer, dagegen kaum bekannt.

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Duderstädter Apfel- und Birnenmarkt 2014

Der Stand auf dem Apfel- und Birnenmarkt wird vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen organisiert. Im Internet ist ein Auszug aus der aktuellen Broschüre „Alte Obstsorten für Südniedersachsen neu entdeckt“ mit einer Liste regionaltypischer Obstsorten zu finden: www.goettingerland.de/lpv

 Text: Anna Kleimann / Fotos: Iris Blank

Hans-Joachim Bannier
Humboldtstraße 15 ∙ 33615 Bielefeld
T (0521) 12 16 35 ∙ alte-apfelsorten@web.de 
www.pomologen-verein.de
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Der Apfel- und Birnenmarkt wird vom Treffpunkt
Stadtmarketing Duderstadt e.V. veranstaltet.
Weitere Info unter: wir-in-duderstadt.de