Seit 20 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Fachwerk – als Architekt, aber auch als Eigentümer und Fachwerk-Fan. Der anstehende Tag des offenen Denkmals ist ein guter Anlass, sich darüber im Klaren zu werden, welch großartiges Erbe die Vergangenheit uns in Duderstadt hinterlassen hat – und wie wir es vielleicht etwas besser „verwalten“ können.


Als Duderstädter, der jeden Tag in dieser Stadt lebt und seiner Wege geht, nimmt man sie irgendwann nicht mehr wahr, die ganzen mittelalterlichen Fassaden, die vielen bunten Verzierungen und die jahrhundertealten Holztüren an über 500 Fachwerkhäusern. Auch ich brauche immer wieder die Begeisterung von Freunden aus anderen Städten Deutschlands und der Welt, um mir darüber bewusst zu werden, was dieses – für uns völlig normale – Stadtbild bedeutet: „Wunderschön“, „märchenhaft“, „hier würde ich auch gerne wohnen“.

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Aber auch darüber muss man sich im Klaren sein: Dieses Erbe bedeutet Verpflichtung und auch Arbeit. Der Umbau eines jahrhunderte alten Hauses zu modernen, urbanen Lebensräumen ist aufwendig und ohne Kenntnisse der Baustoffe, viel handwerkliches Können und Kreativität nicht zu machen.

Jeder, der schon mal ein unsaniertes Fachwerkhaus betreten hat, kennt wohl das Gefühl: „Oh Gott, hier kann doch niemand mehr wohnen“. Oft ist in den letzten Jahrzehnten in diesen Häusern nicht mehr viel passiert. Die Räume sind dunkel, die Decken niedrig, die Innenhöfe vollgebaut, die Immobilien „heruntergewohnt“.


Das gleiche Gefühl hatte ich im letzten Jahr wieder, als ich in der Scharrenstr. 17 in Duderstadt den Umbau eines kleinen Fachwerkhauses aus dem 18. Jahrhundert anfing. Da braucht man ein bisschen visionäre Kraft um sich vorstellen zu können, was einmal daraus werden kann.

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Wie immer beginnt die Arbeit damit, das Haus zu entkernen. Das bedeutet, dass alle Einbauten und Wandverkleidungen der letzten Jahrzehnte entfernt werden müssen. Manch unangenehme Überraschung kommt dann zutage. Der große Vorteil ist allerdings, mögliche Schäden im Rohbau zu beseitigen und nicht nach Einzug, was weder Architekt noch Bauherrn begeistert. Danach beginnt der kreative Teil der Arbeit, mit ausgewählten guten Handwerkern das Gebäude durch Materialien der Vergangenheit zu sanieren. Dies sind im Wesentlichen: Lehm und Holz.

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„Ja, aber der Denkmalschutz – so viel kann man ja gar nicht machen!“, werden jetzt einige einwenden. Und es ist natürlich so: Man ist in seinen Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt, sobald es um ein altes Haus geht, das unter Denkmalschutz steht. Die Bilder auf dieser Seite zeigen die restaurierte, neue Version, eben jenes dunklen Fachwerkhäuschens in der Scharrenstraße. Modernes Leben ist trotz Denkmalschutz möglich. Meiner Auffassung nach ist der Denkmalschutz wichtig, denn Fachwerk ist ein Kulturgut, das unbedingt schützenswert ist.

Text: Michael Schmutzer / Fotos: Iris Blank (Titel), Niclas Grüning, Michael Schmutzer

Der Tag des offenen Denkmals in Duderstadt:
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