Viele sagen, die Ruine von Burg Hanstein sei die schönste in Mitteldeutschland. Tatsächlich thront sie, so zerfallen sie auch ist, immer noch über dem Eichsfeld und ist regelmäßig Schauplatz von Ritterfestspielen. Von oben aus kann man bis hin zum Thüringer Wald schauen. Etwas unterhalb der Ruine liegt der Klausenhof, ein Wirtshaus mit langer Geschichte und berühmten Gästen: Goethe war schon hier, ebenso die Gebrüder Grimm, Heinrich Heine und Otto von Bismarck. Sie alle kamen nicht nur, weil der Klausenhof an einem traditionellen Handelsweg lag. Vor allem die Eichsfelder Wurst war es, die die Gäste anzog.


1991 haben Klaus Röhrig und seine Frau Manuela das historische Wirtshaus übernommen. Seither hat sich vieles verändert. Die Familie hat das mehrfach umgestaltete Gebäude so weit wie möglich in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Dafür war einiges zu tun, denn zuletzt war der Klausenhof beispielsweise als Näherei genutzt worden. Also haben sie die verdeckten Lärchendielen freigelegt und mit Schlachtebrühe gereinigt, die Tapeten heruntergeholt und die Lehmwände restauriert. Die Gästezimmer, der Rittersaal, die Schlafkojen wurden nach alten Vorbildern wieder hergerichtet. Natürlich stellen die Röhrigs auch wieder die berühmten Wurst- und Fleischspezialitäten aus warmem Schweinefleisch her, das sie dafür direkt nach der Schlachtung verarbeiten. Auch Sohn Martin mischt kräftig im Familienbetrieb mit und hat sich dabei schon eine Reihe an Auszeichnungen verdient.

Wurstmuseum_Gaststube

Genießen in urtümlicher Umgebung

Bevor man jedoch Röhrigs Feldgieker, ihren Hansteiner Kräuterbraten mit sieben Kräutern aus dem hauseigenen Garten oder Gehacktes mit Sauerteigbrot und Schmand im Speisesaal genießt, nimmt sich Klaus Röhrig Zeit für ein Tischgebet. Es stammt von Missionaren, die einmal zu Gast waren. »Die Schweine«, sagt er, »werden mit Liebe gefüttert und aufgezogen und stressfrei geschlachtet. Dennoch geben sie ihr Leben.« Er wünscht sich deshalb, dass seine Gäste ihr Essen zu schätzen wissen. Gleich gegenüber vom Klausenhof steht der frühere Schweinestall, denn die Warmverarbeitung des Fleisches verträgt keine großen Entfernungen. Auch der Stall wurde bis hin zum Holzpflaster originalgetreu wiederherstellt. Heute beherbergt er das Wurst- und Hausschlachtemuseum. Die Schweine haben es im neuen Stall wesentlich besser. Im Vergleich zum Klausenhof und erst recht zur Burg Hanstein ist der alte Stall ein winziges Gebäude. Doch er ist groß genug, um die Wurstherstellung anschaulich darzustellen und den hohen Stellenwert der Schweinehaltung zu zeigen. Beispielsweise wie sich die Menschen früher mit den Hausschlachtungen einen Vorrat anlegten, um über den Winter zu kommen. Die Röhrigs haben Ausstellungsstücke aus drei Jahrhunderten zusammengetragen. Einige Geräte, etwa die Garwurstpressen und Stopfmaschinen, werden sogar hin und wieder benutzt. Klaus Röhrig will ein lebendes Museum. So freut es ihn, dass im ehemaligen Stall wieder Rauchschwalben eingezogen sind.


Ob man dieses Museum nun vor oder nach dem Essen besucht, spielt eigentlich keine Rolle. Entweder der Museumsbesuch macht erst richtig Appetit auf das gute Essen — oder er bestätigt die eben genossene Qualität. Der Klausenhof hat seinen Namen übrigens vom Heiligen Bruder Klaus, einem Schweizer Eremiten, der sich im 15. Jahrhundert dazu verpflichtete, Frieden zu stiften. Der Klausenhof soll deshalb auch ein Haus des Friedens sein. Wer hier zu Gast ist, kann das spüren.

 

Klausenhof — Das alte Wirtshaus unterhalb Burg Hanstein
Wurst- und Hausschlachtemuseum
∙ Familie Röhrig
Friedensstraße 28 ∙ 37318 Bornhagen / Eichsfeld
T (036081) 6 14 22 ∙ info@klausenhof.de
www.klausenhof.de
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ÖffnungszeitenRestaurant / Hotel
Mi—So: Vom frühen Morgen bis zum späten Abend
Mo & Di: Ruhetag ∙ Gruppen ab 20 Personen auf Anfrage
Geschlossen Heiligabend, Januar & Februar

ÖffnungszeitenWurstmuseum
Mi—So: 11−18 Uhr
und nach Vereinbarung

ÖffnungzeitenHofladen
So: 12−17 Uhr und nach Anmeldung

Führungen nach telefonischer Absprache