Nur das, was ich kenne, kann ich schützen«, hat Heinz Sielmann einmal gesagt. Auch deshalb hat er wohl eine ganze Generation von Kindern auf seine Expeditionen ins Tierreich mitgenommen und ihnen die Wunder der Natur gezeigt, ebenso wie die Bedrohung der Natur durch die Menschen. Ein besonderes Stück Erde war für ihn auch der frühere Grenzstreifen zwischen West- und Ostdeutschland. »Tiere im Schatten der Mauer« hieß der Film, den er 1988 drehte und dazu einen Teil der Grenzlinie ablief. Dabei stieß er zusammen mit seiner Frau Inge auf Gut Herbigshagen, ein paar Kilometer abseits von Duderstadt, mitten in der wunderschönen hügeligen Landschaft des Eichsfeldes gelegen. Für Pflanzen und Tiere war dieses Gebiet damals ein weitgehend ungestörtes Paradies. Wenn die Grenze einmal weg sein würde, wünschte sich Heinz Sielmann, müsste es einen Nationalpark von der Ostsee bis in den Thüringer Wald geben.

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Sein Wunsch ist nach der Grenzöffnung nicht in Erfüllung gegangen. Aber die Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen und das Grüne Band sind Schritte auf dem richtigen Weg. Die Stiftung erwarb das Gut in einem erbärmlichen Zustand. Die Ställe waren zusammengefallen, die Remise zerstört. Nur das Gutshaus stand noch. Doch durch jahrelange Arbeit, durch Engagement und Fantasie wurde es zu einem Ort, an dem Touristen ebenso wie Schüler und Ausflügler »Naturschutz als positive Lebensphilosophie« erfahren können. Heinz Sielmann und seine Frau hatten damals die ganze Welt gesehen. Mit der Gründung der Heinz Sielmann Stiftung wollten sie sicherstellen, dass ihre Ideale und ihr Lebenswerk an die Naturschützer von morgen weitergegeben werden — die Kinder: »Nehmt’s doch die Kinder an die Hand und führt sie in die Welt. Es gibt so viel zu sehen«, zitiert Inge Sielmann ihren mittlerweile verstorbenen Mann.

Nehmt’s doch die Kinder an die Hand und führt sie in die Welt. Es gibt so viel zu sehen. Heinz Sielmann

Zu sehen gibt es für Kinder tatsächlich reichlich auf dem Hundert-Hektar-Areal: einen bewirtschafteten Bauernhof etwa, ein Bienenhaus, eine Ausstellung über das Leben von Heinz Sielmann. Seit 2010 ein Baumhaus, das vielen Kindern aus dem Fernsehen vertraut sein wird: das KikA-Baumhaus. Tagtäglich ist es vor dem Sandmann zu sehen. Während das Studio-Baumhaus allerdings aus Pappe besteht, ist das KikA-Baumhaus auf einer Anhöhe oberhalb von Gut Herbigshagen aus echtem Holz gefertigt. Hier können die Kinder die Natur auf Baumhöhe erleben und mit allen Sinnen erfahren — ganz echt. »Draußen in der Natur«, sagt Inge Sielmann mit Nachdruck, »sollen die Kinder still sein, aber hier auf dem Hof müssen sie toben können, weil das in ihrer Natur liegt.« Hier kommen sie also zusammen, die Natur und die Natur des Menschen.

 

Heinz Sielmann Stiftung e. V. & Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum
Gut Herbigshagen37115 Duderstadt
T (05527) 914-0info@sielmann-stiftung.de
www.sielmann-stiftung.de
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Öffnungszeiten
Täglich 10−18 Uhr (April—Oktober)
Täglich 10−17 Uhr (November—März)
Geschlossen 24.Dezember—2.Januar

Führungen durch das Projektgebiet Grünes Band können gebucht werden.