Vom Rathausturm aus hat man einen herrlichen Blick über die roten Ziegeldächer der Fachwerkhäuser von Duderstadt. Unter vielen dieser Dächer hausen, nein: wohnen Fledermäuse. Die größte Kolonie mit rund 700 Fledermäusen hat sich ausgerechnet im Dachstuhl des Rathauses eingerichtet — und ist dort herzlich willkommen. »Dank der Fledermäuse ist unser Rathaus jetzt wohl sogar das einzige, in dem Tag und Nacht gearbeitet wird«, sagt Bürgermeister Wolfgang Nolte schmunzelnd. Tagsüber sind es die Menschen, nachts übernehmen die Fledermäuse. Wobei das nicht ganz stimmt, denn Wolfgang Noltes Arbeitstage enden regelmäßig nach Mitternacht. »Zwei Schichten sind das Minimum«, sagt er. Der freundliche, schlanke Mann mit dem kurz gehaltenen Vollbart hört aufmerksam zu und antwortet überlegt. Er kennt sich aus und repräsentiert Duderstadt wie kaum ein anderer hier. Seit 1988 ist Nolte Stadtdirektor, seit 2001 Bürgermeister. Und um welche Projekte es auch geht, er scheint überall dabei zu sein. Auch die Patenschaft für die Fledermäuse in seinem Rathaus hat er natürlich übernommen — zumal sich dieses Engagement nahtlos in seine Vision einer Stadt einfügt, die in Harmonie mit Natur und Schöpfung lebt. Als 2001 an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst der Studiengang Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung eingerichtet wurde, stand Nolte wenige Tage später vor der Tür von Prof. Dr. Ulrich Harteisen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten.

Dank der Fledermäuse ist unser Rathaus jetzt wohl sogar das einzige, in dem Tag und Nacht gearbeitet wird.

Natürlich war er auch sofort dabei, als es darum ging, in dem Rathaus eine Erlebnisausstellung einzurichten: vom historischen Folterkeller bis hinauf ins Dachgeschoss. Es ist ein offenes Haus und Gäste sind stets willkommen. Duderstadt ist für Wolfgang Nolte eine Herzensangelegenheit. Fast betroffen erinnert er sich an die Tourismusstudien aus den 1960er Jahren, die ein düsteres Bild für die damalige Grenzstadt zeichneten; ein Politiker nannte das Eichsfeld gar einmal eine »Agrarsteppe«.

Rathaus_Ausstellung

Die Erlebnisausstellung im Rathaus erstreckt sich bis in die Turmspitze hinauf.

Nolte glaubt an Duderstadt und sein Potenzial. »Duderstadt hat eine gute Lage zwischen den Niederlanden, dem Harz und Skandinavien. Wir sind eine der schönsten Fachwerkstädte Deutschlands und von wunderbarer Natur umgeben«, schwärmt er. Wenn man den bekennenden Perfektionisten danach fragt, was er nicht mag, sind es Unzuverlässigkeit, überlange Debattenbeiträge, Wiederholungen. In seinen Worten: »Nicht die Betriebstemperatur darf im Vordergrund stehen, sondern es muss immer um die Produktivität gehen.« Er will bewegen. Verändern. Ergebnisse erzielen. Fertig mit Duderstadt ist Wolfgang Nolte daher noch lange nicht. Ein Blick in das goldene Buch der Stadt und deren Veranstaltungskalender zeigt, wie Nolte es schafft, Duderstadt aus der Provinz zu heben. So waren schon die Bundeskanzlerin und drei Bundespräsidenten in Duderstadt, Klaus Töpfer und Rita Süssmuth, aber auch Michael Gorbatschow und Katharina Witt, um nur einige zu nennen.

Rathaus

Sein Kopf ist immer voller Ideen. Die weitere Erschließung der zentralen Turmwächterstube in St. Cyriakus etwa, das wäre für ihn »der Hammer«. Duderstadt soll eine lebendige und offene Stadt bleiben, dafür setzt Nolte sich immer wieder ein. Auch in Sachen ökologischer Stadtumbau offenbart er noch ein persönliches Ziel: »Ich würde gerne mit meinen Großkindern aus der Quelle der Salmke trinken können, wie ich es mit meinem Großvater getan habe«, sagt er. Und das werden seine Fledermäuse sicher auch begrüßen.

 

Rathaus
Marktstraße 66 ∙ 37115 Duderstadt
Gästeinformation im Rathaus
T (05527) 841-200 info@duderstadt.de
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ÖffnungszeitenGästeinformation und Erlebnisausstellung
Mo—Fr: 9.30−16.30 Uhr ∙ Sa & So: 10−16 Uhr