Dort, wo der Seeburger See liegt, soll einst das Schloss von Graf Isang gestanden haben. Doch nach einem Wolkenbruch entstand ein See, in dem das Schloss unterging. »Auf dem Grund findet man tatsächlich Ruinen«, berichtet Gordon Schulze vom Ortsverband Eichsfeld der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Wie das Schloss versunken ist, dazu erzählt der DLRG-Posten vom bewachten Badestrand zudem eine ganz andere Geschichte: Das Schloss habe in einer Kuhle gelegen, die sich immer weiter abgesenkt habe und dann durch das Wasser der Aue vollgelaufen sei. Wie auch immer, der See birgt bis heute ein Geheimnis.


Für die Besucher geht es ohnehin eher um das Freizeitangebot. Schließlich gibt es nur wenige Gewässer in Südniedersachsen, so dass der Seeburger See auch den Beinamen »Auge des Eichsfelds« trägt. Seit 1973 steht das Gewässer unter Naturschutz und dient mittlerweile rund 250 Vogelarten als Brut- und Rastplatz. Die Angelvereine fördern den Erhalt des vielfältigen Fischbestands. Im Natur-Informationszentrum am Bootsverleih mit dem weit auf den See hinausragenden Steg bietet ein Unterwasserfenster sogar einen direkten Blick ins Wasser. »Vor kurzem ist mir ein Vierzig-Zentimeter-Hecht unmittelbar vor die Augen geschwommen«, erzählt Schulze. Naturschutz bedeutet allerdings auch, dass Motorboote tabu sind. Wenn also Not am Mann ist, legt sich Gordon Schulze auf sein Rettungsbrett und paddelt mit Muskelkraft zur Unglücksstelle — auch wenn sie außerhalb des bewachten Badestrands liegt. Zum Glück passiert sehr wenig. Die Rettungsschwimmer halten ihre Einsätze immer noch in demselben Buch fest, das 1982 angeschafft wurde. »Oft rufen Kinder aus Spaß um Hilfe. Wir holen sie natürlich erst mal raus. Aber dann stellen wir schon Fragen. Ansonsten gibt es mal eine Schnittwunde und ganz selten ein gekentertes Segelboot«, sagt der 22-jährige Erfurter. Sein Freiwilliges Soziales Jahr bei der DLRG hat ihn hierhergebracht.

Seeburger_See

Nach seinen Ausbildungen zum Rettungsassistenten, Sportschwimmer und Wasserretter war die DLRG die nächste Stufe. Und in Seeburg fand er auch die größte Ortsgruppe in Niedersachsen. Mittlerweile ist der Seeburger See längst nicht mehr nur sein Einsatzort. Es ist sein See geworden.


Sport und Hilfe, diese Kombination ist sein Ding. Unweigerlich denkt man an die Fernsehserie Baywatch. Tatsächlich hat Schulze sogar für ein paar Wochen bei der Coast Guard in den USA hospitiert. Die Leute hätten aber oft nur auf ihrem Wachturm herumgelungert. Also kein Vorbild für ihn. Das sind dann schon eher die acht Rentnerinnen, die bei jedem Wetter gleich morgens zum Baden kommen und längst wieder weg sind, wenn die ersten Gäste ihr Handtuch ausbreiten. Die einzigen Unerschrockenen sind sie aber nicht. Das zeigt sich immer beim Anbaden am 1. Januar, wenn 200 bis 500 Gäste an den Seeburger See kommen. Natürlich einschließlich der DLRG-Schwimmer: »Wir müssen ja zeigen, dass wir keine Weicheier sind.« Zum Glück sind es nur ein paar Meter bis zum Restaurant Graf Isang. Von hier aus kann man bei gutem Essen und prasselndem Kaminfeuer den Blick über den See genießen. Und wenn es draußen dann wärmer wird, rückt man dem See einfach wieder ein paar Meter näher und genießt ein kühles Getränk im Biergarten.

 

Seeburger See
Seestraße ∙ 37136 Seeburg
www.seeburgersee.com
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Naturschwimmbad und Minigolfanlage
T (05507) 460

Natur-Informationszentrum und Bootsverleih
T (05507) 23 71

ÖffnungszeitenNaturschwimmbad und Minigolfanlage
Täglich 8−20 Uhr (Mitte Mai—Mitte September)

ÖffnungszeitenNatur-Informationszentrum
Täglich 10−18 Uhr (Mai—Oktober)So: 13−17 Uhr (November—April)

ÖffnungszeitenBootsverleih
Täglich 9−20 Uhr (Mai—Oktober)