Grau, konservativ, ein bisschen eigen und mit Sicherheit bebrillt. Das sind nur einige Klischees, die Archivare im Film gerne bedienen. Mit der Realität haben sie zumindest in Duderstadt wenig gemein: Maria Hauff ist eine quirlige und offene, eine attraktive Frau. Das Stadtarchiv ist einer ihrer Lieblingsarbeitsplätze. Die studierte Kunstgeschichtlerin und Anglistin bewegt sich zielsicher zwischen tausend laufenden Meter Akten. Nein, sie belebt sie vielmehr mit großem Engagement. Das Archiv ist für sie eine Schatzkammer. Und die ist reich bestückt, denn das Duderstädter Stadt-archiv ist eines der vollständigsten in Norddeutschland. Hier kann sie die Stadtschreibung bis ins Jahr 1397 zurückverfolgen. Manche Urkunden sind sogar noch älter. »Früher wurde mit Feder geschrieben. Die Schrift ist erhaben und hat eine ganz eigene Ästhetik. Geschichte wird schon dadurch ein Stück plastisch«, erzählt sie. Immer wieder finde sie hier Schmankerl der Geschichte, auf die noch niemand gestoßen sei. Die Wirtschaftsgeschichte von Duderstadt hat sie sich schon vorgenommen, die Kunst, die Kirchen, die Mühlen, die Bierwirtschaft, das Rauchen. Sie hat ein Häuserbuch geschrieben, in dem die Duderstädter die Besitzer-liste ihrer Häuser bis an den Anfang der Stadtschreibung zurückverfolgen können. Nach einem Tag der offenen Tür kamen die Leute scharenweise zu ihr. Wenn also jemand eine Inschrift oder Ähnliches entdeckt, geht er erst einmal zu Maria Hauff.


Fasziniert ist die gebürtige Duderstädterin auch vom Schützenwesen, zumal es hier in Duderstadt eine der ältesten Schützengesellschaften gibt. Sie erzählt gern die Anekdote über eine Schützenscheibe aus Eisen, die man mehrmals benutzen und so Geld sparen konnte. Die abprallenden Kugeln erwiesen sich jedoch als zu gefährlich für die Allgemeinheit, so dass man rasch wieder zu Holzscheiben zurückkehrte.

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Gut gehütete Fundstücke zur Stadtgeschichte

Was sie gemeinsam mit ihrem Mann an Wissen über die Stadtverteidigung zusammengetragen hat, floss in das Schützenmuseum im Westerturmensemble ein. »Diese Ausstellung, das ist schon mein Baby«, sagt sie. Und spätestens jetzt wird klar, wie wichtig Maria Hauff als Bindeglied zwischen Geschichte und Zukunft für Duderstadt ist. Begeistert erzählt sie von den Möglichkeiten der multimedialen Umsetzung, von der nahezu unbegrenzten Informationsfülle, die man in der Ausstellung unterbringen könne, und von den interaktiven Umsetzungen, die diese Fülle spielerisch erschließen. »Dieses Museum ist echte Show. Es hebt sich total aus der provinziellen Museumslandschaft ab. Schauen Sie sich mal das Gästebuch an. Das haut Sie vom Hocker«, sprudelt es aus ihr heraus.


Auch in das Archiv von Duderstadt ist mittlerweile moderne Technik eingezogen — als einem der ersten in Deutschland übrigens. »Die Digitalisierung unterstützt die Arbeitsökonomie: Dateien schimmeln nicht, man kann sie herausgeben und schneller finden«, erzählt Maria Hauff. Generell nimmt sie aber lieber die Originaldokumente in die Hand. »Papier atmet einfach mehr Geschichte.«

Die Verbindung aus Alt und Neu reizt Maria Hauff immer wieder. »Ich liebe diesen Vintagelook in Metropolen wie London oder Berlin. Da stehen historische und neue Bauten unmittelbar nebeneinander. Aber das haben wir hier auch, zum Beispiel beim Westerturmensemble. Wir brauchen diese Gegensätze.« Um sie zu ermöglichen, wird sie auch in Zukunft in die Tiefen der Geschichte vordringen. »Forschung ist ein unbegrenztes Feld. Was mich vor allem interessiert, ist die lokale Alltagsgeschichte im Mittelalter. Auch die Geschichte der Ausgegrenzten, also etwa der Dirnen, Henker oder Müller, wäre noch ein spannendes Thema«, sagt Maria Hauff lachend. Man erhält eine Ahnung davon, dass sie noch viele interessante Geschichten zu Tage fördern wird. Und natürlich ist sie auch für Fragen und Anregungen von außen offen.

 

Stadtarchiv
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