Kaum ist der neunjährige Wilhelm Busch 1841 bei seinem Onkel, dem Pfarrer Georg Kleine, in Ebergötzen angekommen, um in dessen Schule zu gehen, schließt er schon Freundschaft mit Erich, dem Sohn des Müllers Bachmann. Mit ihm teilt er in den nächsten fünf Jahren nicht nur den Privatunterricht bei seinem Onkel. Sie verbringen auch ihre Freizeit miteinander. Sie fangen Vögel und Forellen mit der Hand; sie spielen den Dorfbewohnern Streiche, streifen durch die Natur. Sie beschmieren sich mit Schlamm aus der Aue und lassen sich in der Sonne trocknen. Sie laufen weiß bemehlt in der Mühle herum. Sie werden Freunde fürs Leben.


Den Mittelpunkt bildet die Ebergötzener Mühle mit ihrem Mühlgraben, dem moosbewachsenen Schaufelrad und seinem Rattern, Surren und Saugen beim Kreisen durch das Wasser, mit den vielen Tieren und den verschiedenen Kunden. Zu den Dorfbewohnern gehören auch eine Witwe Bolte, ein Schneider Böck, ein Bäcker Arnold und ein Lehrer Lämpel — Figuren, die später allesamt bei Max und Moritz wieder auftauchen. Und so kann man Max und Moritz selbst wahrscheinlich auch dort verorten, schreibt die Busch-Biografin Eva Weissweiler: »Ein kleines Bleistiftporträt, das Wilhelm Busch im Alter von vierzehn Jahren von seinem Freund zeichnete, zeigt Erich Bachmann als pausbäckigen, selbstbewussten Jungen, der ähnlich wie der Max dieser Geschichte von derber Struktur war. Das zeitgleich entstandene Selbstporträt Buschs weist einen Haarwirbel auf, der bei Moritz zur kessen Tolle wurde.«

Wilhellm_Busch_Muehle

Während Max und Moritz später, nach ihrem sechsten Streich, zuerst in der Mühle geschrotet und dann von Meister Müllers Federvieh verzehrt werden, ist die Ebergötzener Mühle für ihren Schöpfer ein Fixpunkt in seinem Leben: »Ich verbrachte die letzten Tage in einer alten Mühle, die mich seit Kinderzeiten immer freundlich aufgenommen hat. Da schlief sich’s immer gut. Das Bett wackelte noch wie früher beim Getriebe der Räder, und das herabstürzende Wasser rauschte durch meine Träume«, schreibt Wilhelm Busch viele Jahre später, als er einmal wieder bei seinem Freund Erich Bachmann zu Besuch ist. Er erfand auch ein eigenes Wort für die Geräusche der Mühle: Rumpumpeln.


Heute ist das »Rumpumpeln« des mittlerweile geschützten Denkmals wieder zu hören. Der Garten blüht und die Quelle des Mühlbachs sprudelt wieder. Wer Lust hat, kann sich durch die Mühle führen lassen, die vielen historischen Marionetten bewundern und das kleine Museum mit seinen Devotionalien besichtigen. Und vielleicht waren auch die Körner aus Meister Müllers Mühle nicht das Letzte, was von Max und Moriz blieb. Ihr Schöpfer jedenfalls lebt weiter in Ebergötzen sowie in unzähligen Kinderköpfen, denn »Max und Moritz« ist eins der meistgelesenen Kinderbücher der Welt.

Die Bachmanns führten ihre Mühle über drei Generationen weiter — bis ein Feuer die Gastwirtschaft der Mühle zerstörte und 1938 die Mühlräder stillstanden. Nach dem Krieg ging die Mühle in Gemeindebesitz über und verfiel mit der Zeit. Die Post erwarb den Mühlengarten. Schließlich sollte sie einem Gedenkstein weichen. Doch zehn Wilhelm-Busch-Freunde wussten das zu verhindern. Einige von ihnen kannten den Künstler sogar noch persönlich. Sie gründeten einen Förderverein zur Rettung der mittlerweile mehr als 600 Jahre alten Mühle.

 

Wilhelm-Busch-Mühle
Mühlengasse 837136 Ebergötzen
T (05507) 71 81info@wilhelm-busch-muehle.de
www.wilhelm-busch-muehle.de
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Öffnungszeiten
Di—So: 10.30−13 Uhr und 14−16.30 Uhr ∙ Mo (außer Feiertage): Geschlossen

Nach Absprache Führungen für Gruppen ab 15 Personen auch montags und außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

Standesamt Ebergötzen
Rathaus ∙ Vöhreweg 1037136 Ebergötzen
T (05507) 96 78-25
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